Dei Spekultionen der vergangenen Montate haben endlich ein Ende: Das neue iPhone 4S. Eigentlich sollte man sich doch freuen. Doch der fade Beigeschmack eines „neuen alten“ bleibt. Die Erwartungshaltung an das neue iPhone war zu hoch für das iPhone 4S. Jeder hoffte auf ein völlig neues Design, unglaublich innovative Veränderungen. Dabei standen in den letzten Wochen bereits die Zeichen auf iPhone 4S. Nun ist es also da.

Das iPhone 4S übernimmt das Design komplett von seinem Vorgänger, dem iPhone 4. Damit ist auch das iPhone 4S, mit 15 Monate altem Design, das dünnste Smartphone auf dem Markt. Die großen Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger sind unter der Haube zu finden. Der bereits aus dem iPad 2 bekannte A5 Prozessor gibt dem iPhone mit seinen 2 Kernen ordentlich Kraft um Video in 1080p aufzunehmen oder Spiele über WLAN an den Apple TV zu übertragen.

Die zweite große Hardware-Änderung versteckt sich hinter der Kamera-Linse. Es wurde ein neuer Sensor verbaut, der Fotos jetzt mit 8 Megapixeln, also 3264 x 2448 Pixeln aufnimmt. Dazu kommen Features wie Rausch-Reduzierung, Bildstabilisierung und weitere Neuerungen der Kamera-App, die mit iOS 5 dann auch auf älteren Geräten verfügbar sein werden. Das ist zum Beispiel der Kamera-Knopf auf dem Lock-Screen, der erscheint wenn man mit einem Doppel-Klick auf den Homebutton die iPod-Steuerung aufruft. Auch das Auslösen der Kamera mit Hilfe der Lautstärke-Tasten, die Fixierung von Belichtung, Weißabgleich und Autofokus und nicht zuletzt auch Fotostream, welches ein Teil von iCloud ist, machen das Fotografieren auf dem iPhone nun um einiges angenehmer und ansehnlicher.

Die Auflösung des Displays bleibt mit 640 x 960 Pixeln die selbe wie auch schon beim iPhone 4. Eine Verbesserung hat man sich hier (außer vielleicht in der Größe) nicht vorgestellt, da das “Retina”-Display aus der letzten Saison durchaus noch mit Super AMOLED Plus Displays und sonstigen Spielereien mithalten kann.

Der Metallrahmen, der erstmals im iPhone 4 als Antenne fungierte, wurde teilweise so übernommen. Die Aufteilung der Segmente bleibt gleich. Um ein PR-Desaster wie letztes Jahr mit “Antenne-Gate” zu vermeiden, hat Apple an der Funktionsweise der Antennen geschraubt. Die 3 Segmente sind nun nicht wie vorher je einer Funktion (UMTS, GSM, WiFi) zugeordnet sondern können variabel zugewiesen werden. Sollte man das iPhone so in der Hand halten, dass man den Empfang des rechten Antennensegmentes verringert, nutzt das iPhone 4S automatisch das obere oder das linke Segment der Antenne. Wie das in der Praxis funktioniert wird sich zeigen. Außerdem wurde die Empfangsleistung des iPhones verbessert. Im Downstream sind nun 14,4 Mbit/s möglich, verglichen mit 7,2 Mbit/s beim Vorgängermodell. Sowohl T-Mobile, als auch Vodafone und o2 unterstützen theoretisch Bandbreiten von bis zu 14,4 Mbit/s, ersterer sogar bis zu 21,6 Mbit/s. Um solche Bandbreiten in der Realität zu erreichen, sollte man sicher gehen dass solch ein Netz in der eigenen Umgebung ausgebaut ist und dass der eigene Vertrag Verbindungen in solchen Geschwindigkeiten erlaubt. Die Unterscheidung in eine GSM und CDMA Version fällt nun auch weg. Das iPhone 4S wird das erste iPhone sein, was beinahe in jedem Mobilfunk-Netz der Welt betrieben werden kann.

Als großes neues Feature für das iPhone 4S wird Siri beworben. Siri ist eine kleine Firma, die im Jahr 2009 für ca. 200 Millionen Doller von Apple aufgekauft wurde. Siri ist ein persönlicher Assistent, der im neuen iPhone an jeder Stelle zu jeder Zeit aktiviert werden kann. Bisher hat die eher unnütze Sprachsteuerung den prominenten Platz besetzt, der mit einem längen Klick auf den Home-Button ausgelöst wurde. Im Prinzip ist Siri nichts weiter als ein Mikrofon, welches Anfragen intelligent interpretiert und Lösungen anbietet. Den Einsatzmöglichkeiten dafür scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. In der Keynote wurden folgende Beispiele angeführt: auf SMS antworten, Kalendereinträge und Erinnerungen erstellen, Restaurants in der Nähe suchen, Navigation über Maps, Nachschlagen von Wörtern in einem Wörterbuch, Nachschlagen von Informationen über Wikipedia, Abfrage der beeindruckenden Informationen von Wolfram Alpha oder auch einfache Sachen wie Aktienkurse abfragen, Währungen umrechnen und das Wetter oder die Zeit für bestimmte Orte anzuzeigen. Dabei kann man sich nicht nur das Wetter anzeigen lassen, Siri findet auch auf Fragen wie “Benötige ich heute einen Regenschirm?” eine passende Antwort. Apple verspricht hier viel, mit Siri und Nuance haben sie allerdings auch zwei hochkarätige Firmen mit dem System beauftragt. Da für Siri Spracheingaben unverzichtbar sind, wird das Feature leider nicht in allen Ländern vollständig nutzbar sein. Zu Beginn werden Deutsch, Englisch und Französisch unterstützt. Die Sprachpalette von Nuance umfasst jedoch noch viele weitere Sprachen, die mit Sicherheit in Zukunft folgen werden. Außerdem findet die Spracheingabe von Nuance nun seinen Platz neben der Leertaste bei jeder Einblendung der Tastatur. Man kann nun in jedes Textfeld alternativ mit seinen Fingern oder der eigenen Sprache Texte eingeben. Wie gut das funktioniert, kann aktuell schon mit der kostenlosen Dragon Dictation App ausprobiert werden.

Wie viel RAM Apple verbaut hat, wurde wie üblich nicht genannt. Gerüchte besagen, dass 1GB verbaut ist, erst wenn die ersten Geräte am 14. Oktober bei der Masse landen, wird man diese Frage jedoch endgültig beantworten können.

Leute, die jetzt bereits ein iPhone 4 haben, werden wohl kaum über ein Update nachdenken. Mit iOS 5 und iCloud bekommt ihr Telefon am 12. Oktober einen ordentlichen Zuwachs an Features. Bis auf die Full-HD Aufnahme, AirPlay Mirroring und Siri bekommen Besitzer von älteren Generationen den vollen Funktionsumfang. Auch Nutzer eines 3Gs werden die meisten dieser Features auf ihrem iPhone nutzen können. Der Fakt, dass Apple sogar jetzt, nach 27 Monaten, noch das iPhone 3Gs verkauft, lässt diese Nutzer hoffen, dass sie noch mindestens die iOS Firmwares mit Versionsnummer 5.x nutzen können. Nutzer, die auf ein verändertes Design und ein größeres Update gehofft haben, wurden leider etwas enttäuscht. 15 Monate nach Veröffentlichung des iPhone 4 haben wohl die meisten Leute auf ein geändertes Design gewettet. Dafür steht dieses jetzt sohl mit ziemlicher Sicherheit für das nächste Update an. Und ob das nächste Update wieder 15 Monate auf sich warten lässt, ist aufgrund der ständig wachsenden Konkurrenz wohl eher unwahrscheinlich.

Deutlich wird mit diesem Event jedoch Apples Fokus auf die Software. Während die Hardware äußerlich schon 15 Monate auf dem Buckel hat, sind die Innereien komplett erneuert worden. Es gibt mehr Leistung, bessere Bilder und Videos, schnellere Apps, längere Akku-Laufzeit, höhere Bandbreiten und vieles mehr. Gewonnen hat aber definitiv iOS 5. Die über 200 Features machen die Benutzung des iPhones noch einfacher und intuitiver. Man darf das Gerät also trotz seiner äußeren Erscheinung nicht als “kleines Update” abtun. Hätte man die Rückseite abgeflacht, das Gerät einen Millimeter dünner gemacht und ihm einfach den Namen iPhone 5 gegeben, wären wahrscheinlich alle glücklich gewesen. Wer dennoch denkt Apple, hätte die letzten Monate geschlafen, der sollte auf iOS 5 und iCloud warten, wo deutlich spürbar ein Großteil von Apples Energie und Geldes hin geflossen ist.

Doch viele werden auch so glücklich sein: Apple verspricht dieses Mal gleich zu Beginn beide Farbversionen. Zu den bekannten Modellen mit 16GB und 32GB gesellt sich nun eine Version mit 64GB, die Power-User wird es freuen. Das iPhone 4 wird ab sofort ausschließlich in einer “neuen” Variante mit 8GB für 519€ verkauft. Das iPhone 3Gs geht direkt bei Apple für nur noch 369€ über die Theke, für die neuen Geräte wurde scheinbar das alte Preisschema übernommen: 16GB für 629€, 32GB für 739€ und das Modell mit 64GB dann sicherlich für ca. 850€.

Verfügbar sind das neue iPhone 4 mit 8GB und die neuen iPhone 4S ab dem 14. Oktober hier in Deutschland. Die Vorbestellung beginnt am 7. Oktober per Hotline oder Online-Shop. Kunden aus Österreich und der Schweiz müssen sich noch bis zum 28. Oktober gedulden. Beide Geräte kommen mit iOS 5 vorinstalliert.

Advertisements